Hilfe, mein Baby schläft nicht! Was ist normal und was nicht?

Ihr Baby schläft nicht? Nächtliches Weinen, stundenlanges Schreien und Einschlafstörungen – Millionen von Eltern rund um die Welt erleben tagtäglich ähnliche Herausforderungen im Alltag mit einem Neugeborenen.

Vor allem in den ersten Lebensjahren sind viele junge Mütter und Väter geplagt von Müdigkeit, Erschöpfung und die Sorge um das Kind. Schläft das Baby nicht, haben viele Angst, dass das eigene Kind nicht normal sein könnte und das Gefühl, als Elternteil versagt zu haben. So groß die Freude über den Nachwuchs auch ist, so schnell kann sich auch ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit einstellen, insbesondere wenn die Schlafprobleme sich über Wochen und Monate hinziehen.

Erschwerend kommt meist hinzu, dass man in Gesprächen mit anderen Eltern oft die Frage hört: „Kann Euer Baby durchschlafen?“ Wer sich dann keine Blöße geben will, greift schnell zur Notlüge.

Mit diesem Beitrag wollen wir Sie beruhigen und Ihnen zeigen, dass Sie mit ihrer Situation keineswegs allein sind. Denn anders als unzählige Ratgeber zu verstehen geben, gibt es nicht DIE Standardregel und -lösung, die auf alle Kleinkinder zutrifft.

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Indem Sie einige grundsätzliche Unterschiede des Babyschlafes verstehen lernen, können Sie sich besser auf Ihr Kind einstellen und einen gemeinsamen Schlafrhythmus finden.

Wie hoch ist der Schlafbedarf von Babys?

Jedes Baby ist anders und der individuelle Schlafbedarf damit verschieden. Bei den Angaben handelt es sich daher lediglich um Durchschnittswerte.

Der Schlafbedarf von Säuglingen liegt in den ersten Monaten bei ca. 16-18 Stunden pro Tag. Die Wachphasen betragen meist nicht mehr als 3-4 Stunden. Ab dem 2. Monat bildet sich langsam ein regelmäßiger Rhythmus heraus und die Wachzeiten werden allmählich länger. Im vierten und fünften Lebensmonat sind 14 bis 15 Stunden Schlaf pro Tag/ Nacht der Durchschnitt, während im zweiten Lebenshalbjahr etwa 13 Stunden im Bettchen ausreichen.

Mit der Zeit bekommt das Baby ein Gefühl für Tag und Nacht, Aktivität und Ruhe. Die Schlafzeiten liegen dann eher in den Nachtstunden (manche Babys schlafen dann schon 11 Stunden an einem Stück durch), mit zwei Nickerchen am Tag, die nächtlichen Wachphasen werden weniger.

Im Alter von zwölf Monaten sind die meisten Kleinkinder nachts regelmäßige Durchschläfer. 

Schlafdauer-von-Babys-Kindern
Durchschnittliche Schlafdauer von Babys & Kindern innerhalb von 24 Std. (Quelle)

Wann liegen Schlafstörungen vor?

Allgemein spricht man von einer Schlafstörung, wenn der Betroffene an drei Nächten pro Woche und mindestens einen Monat lang nicht normal schlafen kann. Da der Schlafrhythmus von Kleinkindern sich erst entwickeln muss, sprechen viele Experten erst ab dem zweiten Lebensjahr bei bestimmten Problemen von tatsächlichen Schlafstörungen.

Auf einem Informationsportal  der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) heißt es: „Von Einschlafstörungen spricht man, wenn ein Kind nach den ersten sechs Lebensmonaten regelmäßig nur mit aufwändiger Hilfe der Eltern, zum Beispiel durch langes Herumtragen, einschlafen kann und regelmäßig mehr als 30 Minuten dazu braucht.“

Weiter heißt es: „Von Durchschlafstörungen spricht man, wenn ein Kind in diesem Alter regelmäßig an mindestens vier Nächten in der Woche dreimal oder öfter pro Nacht aufwacht.

Die Antwort auf die Frage, ob ein Baby durchschlafen muss, lautet also: In erster Linie kommt es bei der Beurteilung der Situation darauf an, wie es Ihnen damit geht. Wenn die Ein- und Durchschlafprobleme zu einer ernsten Belastung werden, sollten Sie keine Angst davor haben, sich an Ihren Arzt zu wenden.

Meistens beginnt die Diagnose von Schlafstörungen mit einem eingehenden Gespräch, in dem der Arzt sich mit Hilfe von detaillierten Fragen ein Bild von der Gesamtsituation macht. Fragen zu den Schlafgewohnheiten, Abendritualen und anderen Beobachtungen dienen dazu, mögliche Problemursachen zu ermitteln. Bei einer körperlichen Untersuchung des Babys, sollen außerdem Krankheiten oder andere gesundheitliche Beschwerden als Ursachen ausgeschlossen werden.

Oft helfen bereits kleine Veränderungen im Tagesablauf und in der Schlafumgebung, um den Schlaf Ihres Lieblings zu verbessern.

Babys Schlafen gerne im Familienbett
Das Schlafen im Familienbett ziehen viele Babys dem eigenen Bettchen vor.

Was ist mit dem Begriff High-Need-Baby gemeint?

Der Begriff High Need-Baby stammt von Dr. William Sears (Professor für Kinderheilkunde) und seiner Frau Martha  Sears (Stillberaterin und Krankenpflegerin). Das Paar hatte bereits drei Kinder, als die Tochter Hayden geboren wurde. Sie war deutlich fordernder als ihre jüngeren Geschwister: ein High-Need-Baby. Durch die Erfahrungen mit seiner kleinen Tochter und die Berichte von anderen Eltern formulierte Dr. Sears eine Liste von 12 Kriterien, an denen Sie ein High-Need-Baby erkennen können.

Typische Merkmale sind Hyperaktivität, eine hohe Sensibilität und ein hohes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Nähe. Auch der Schlaf ist bei diesen Kindern besonders unruhig, weshalb Eltern von High-Need-Babys oft erschöpft sind. Die Kinder können anfangs nicht alleine schlafen, wollen ständig gefüttert oder getragen werden.

Allgemeine Empfehlungen und Richtwerte helfen bei diesen Kindern wenig, denn sie führen meist nur zu zusätzlichem Frust. Wichtig ist zu verstehen, dass das Kind nicht „falsch“ oder „unnormal“ ist, sondern höhere Bedürfnisse hat als die Mehrheit der Babys.

Schlafrhythmus und Müdigkeit des Babys erkennen

einschlafrituale helfen beim Babyschlaf
Einschlafrituale mit Stillen oder Füttern helfen.

Zunächst ist es wichtig, dass Sie den individuellen Schlafrhythmus Ihres Babys kennen und erkennen, wann es müde ist. Beginnt das Baby zu gähnen, die Augen zu reiben oder zu quängeln, handelt es sich um typische Anzeichen von Müdigkeit. Oft verliert ein müdes Baby auch Interesse an der Umwelt, beginnt den Blick abzuwenden und sich unkoordinierter zu bewegen.

Als Mutter sind Sie am besten mit den individuellen Signalen ihres eigenen Babys vertraut. Sobald die ersten Müdigkeitszeichen auftauchen ist es Zeit, das Baby schlafen zu legen.

Warten Sie zu lange, riskieren Sie, dass Sie das Schlaffenster verpassen und das Baby erst wieder nach 50-60 Minuten bereit fürs Bettchen ist.

Ein übermüdetes Kind beginnt oft zu weinen und kann dabei völlig überdreht sein. An diesem Punkt ist es dann deutlich schwieriger, das Baby  wieder zu beruhigen – es entsteht ein Teufelskreis, der sowohl für das Baby als auch die Eltern ermüdend ist.

Was kann man tun, wenn das Baby nicht schläft?

Welche Tricks und Tipps funktionieren am besten, damit das Baby schläft? Ganze Internetforen sind gefüllt mit Ratschlägen und Strategien, die für nächtliche Ruhe sorgen sollen.

Nähe hilft beim Einschlafen.
Die Nähe zu den Eltern hilft beim Einschlafen.

Die einen schwören auf gut verdauliche Beikost oder einen Gute-Nacht-Brei zum Anrühren, die anderen wiederum haben nachts immer ein Fläschchen mit Milch bereit – die Trickkiste von Müttern ist lang!

Grundsätzlich helfen Geborgenheit, Nähe und eine ruhige Atmosphäre dem Baby einzuschlafen. Aus Sicherheitsgründen sollte das Baby im ersten Lebensjahr immer auf dem Rücken schlafen, am besten in einer Wiege oder einen Stubenwagen. Kissen und große Decken sind aufgrund der Erstickungsgefahr zu meiden.

Wenn Ihr Kleines am liebsten im Familienbett schläft ist das ebenfalls kein ungewöhnliches Verhalten. Viele Babys bevorzugen in den ersten Monaten die Wärme der Eltern um sich herum. Genießen Sie die Zeit. Dies legt sich meist mit zunehmendem Alter.

Feste Einschlafgewohnheiten und regelmäßige Bettgehzeiten unterstützen dem Baby dabei, sich auf das Schlafen einzustellen. Sorgen Sie dafür, dass die Umgebung ruhig und das Aktivitätenniveau im Schlafbereich reduziert wird.

Muttermilch, das haben Untersuchungen gezeigt, fördert den Schlaf des Babys und kann ihn regulieren. Ein guter Zeitpunkt fürs Zubettgehen ist nach dem Stillen, wenn das Baby satt und versorgt ist.

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